Streitthema
Europäische Union: Kann
ein Staat aus der EU überhaupt wieder
aussteigen? Einschätzungen
von Manfred Julius Müller Trotz
ausgesprochen EU-freundlicher Medienpropaganda hält
sich die Begeisterung für die EU in allen
Mitgliedstaaten in Grenzen. Das beweisen auch die
Volksentscheide, die es in einigen Ländern zum
EU-Beitritt oder zur EU-Verfassung gegeben hat. Dürfte
die Bevölkerung unseres Landes heute über den
Verbleib in der EU abstimmen, wäre der Ausgang des
Votums ungewiss. Und dass, obwohl auch heute noch
unablässig Medien und Politik die Europäische
Gemeinschaft in den höchsten Tönen
preisen. Dabei
sollten auch den professionellen Meinungsmachern inzwischen
die negativen Seiten dieser Großgemeinschaft
aufgefallen sein. Ich möchte sie der Ordnung halber
noch einmal in Erinnerung rufen: 1.
Ein gemeinsamer Binnenmarkt führt immer zur
allmählichen Lohnangleichung! 2.
Ein weiteres großes Handicap: die EU als
übergestellte Ordnungsmacht! Überall
mischt sich jetzt die EU ein und sagt der deutschen
Wirtschaft, wo es lang geht, was sie überhaupt noch
darf und was unter Androhung von Strafgeldern strengstens
verboten ist. Das harmoniesüchtige Deutschland hat in
dieser Beziehung bei vielen Verhandlungen besonders
zurückstecken müssen, man wollte ja auf keinen
Fall die Existenz der EU gefährden und musste als
zentraler Musterstaat immer mit gutem Beispiel (und
gefüllter Brieftasche) vorangehen. 3.
Keine Kontrolle mehr über die eigene
Volkswirtschaft! Das
Prinzip von Angebot und Nachfrage - die Grundlage einer
sozialen
Marktwirtschaft,
kann sich nicht mehr frei entfalten. Denn das
Investitionskapital wandert immer dahin, wo es die
höchsten Renditen abwirft (niedrigste Steuern,
vernachlässigte Umweltauflagen, geringste
Arbeitskosten). In
einem intakten homogenen Binnenmarkt (mit gleichen
Bedingungen und Gesetzen) würden sich die
Marktkräfte ständig kontrollieren und
ausgleichen. 4.
Der Euro macht noch mehr kaputt! 5.
Die EU-Subventionitis untergräbt die
marktwirtschaftliche Effizienz! Welthandel
ja, Importe natürlich auch, aber eben im gesunden
Verhältnis! Die eigene Wirtschaft muss über
das Angebot vom Ausland zu höheren Leistungen
angespornt werden. Dieser gesunde Konkurrenzdruck darf aber
nicht ausarten in einen Vernichtungswettbewerb und so
weit getrieben werden, dass sich eine Industrie nach der
anderen aus diesem Land verabschiedet. 6.
Wer zahlt die Zeche? Deutschland
ist der größte Nettozahler (zahlt Jahr für
Jahr etliche Milliarden Euro mehr ein als an Subventionen
ins eigene Land zurückfließen). Wenn man so will,
werden mit den Steuergeldern der deutschen
Fabrik-Mitarbeiter die hohen Investitionszuschüsse und
Steuergeschenke für die Produktionsverlagerung ins
Ausland mitfinanziert. 7.
Die EU verlangt freies Zuzugsrecht - kann ein Sozialstaat
das auf Dauer überstehen? Kommt
man wieder heraus aus der EU-Falle? Obwohl
vermutlich die Mehrheit der Westeuropäer sich gegen die
EU-Mitgliedschaft ihres Staates aussprechen würde, wird
es wohl keinen gestandenen Politiker geben, der die EU
jemals offen in Frage stellt. Wahrscheinlich gibt es in den
etablierten Parteien nicht einmal Politiker, die sich
über die Existenzberechtigung dieser merkwürdigen
Genossenschaft eigene kritische Gedanken machen. Ein
Ausstiegsbeschluss wäre jederzeit möglich! Auch
der Euro könnte wieder abgeschafft werden! Und
was die Kosten betrifft: Was sind schon einmalige
Umwandlungskosten in Höhe von maximal zwanzig
Milliarden Euro, wenn sich dafür jährliche
volkswirtschaftliche Vorteile von 100 bis 200 Milliarden
Euro ergeben (Währungs- und Zinspolitik kann auf das
eigene Land abgestimmt werden, nachlassender Vergleichs- und
Kostendruck für die Wirtschaft, keine
Währungs-Stabilitätsgarantie für Firmen, die
Auslagerungen planen usw.). Welche
Partei ist offen für eine sachliche Diskussion
über den Nutzen der EU? Am
sinnvollsten scheint es mir, wenn EU-kritische Bürger
sich direkt schriftlich oder telefonisch an die
Bundestagsabgeordneten der großen Volksparteien
wenden, damit diese endlich den Gegenwind zu spüren
bekommen. Immer wieder erfolgversprechend scheinen mir auch
EU-kritische Leserbriefe in den Tageszeitungen zu den
aktuellen Themen und last but noch least kann auch das
Engagement im Internet einiges ausrichten. Am
Ende würde die Schwäche der EU-Staaten zur
Auflösung
führen... Denn
irgendwann, so fürchte ich, wird sich dieses seltsame
EU-Konstrukt, von dem die Regierungschefs immer noch nicht
wissen, welchen politischen Status die Gemeinschaft
anstreben soll (Vereinigte Staaten von Europa mit 15
Amtssprachen?), an ihrer inneren Schwäche und den
vielen Ungereimtheiten kollabieren. Möglich
auch, dass die ehemals reichen Sozialstaaten unter der Last
ins Land strömender Armutsflüchtlinge, dem
Kokurrenzdruck der Billiglohnländer und
Notmaßnahmen für überschuldete
Euro-"Bruderstaaten" finanziell zusammenbrechen. Vermutlich
werden sich dadurch zunehmend soziale oder ethnische
Konflikte offenbaren. Vor
einigen Monaten hat man noch angenommen, eine
Weltwirtschaftskrise wie 1929 sei in unserer Zeit wegen der
vielen Sicherungsmaßnahmen schier ausgeschlossen. Und
jetzt müssen allein die USA hunderte Milliarden
Steuergelder des kleinen Mannes aufwenden, um die schlimmste
Bankenkrise
aller Zeiten abzumildern und den gefürchteten
Dominoeffekt zu verhindern. Das Unvorstellbare kommt eben
manchmal schneller, als es sich notorische Ignoranten,
Optimisten, Gesundbeter oder Verdrängungskünstler
je vorstellen können. Weiterführende
Artikel: Das
letzte Aufbäumen - der Euro vor dem Fall Wenn
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Deutschlands, wenn das herausragende Phänomen der
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Manfred J. Müller, Flensburg, Feburar 2009 Weitere
interessante Themen: Hartz
IV - ist der Sozialstaat noch zu
retten? Aber
Deutschland lebt doch vom
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Auch in Deutschland hat sich bezüglich der EU nur wenig
Enthusiasmus entwickelt. Zu ernüchternd sind die
Basisdaten: Dem Hochlohnland hat der Wegfall der
Zollgrenzen besonders geschadet. Wie zu erwarten war,
sind hier die Realnettolöhne gesunken, während sie
in anderen Ländern gestiegen sind.
Das
bedeutet also Stagnation bzw. Lohnsenkungen in den
Hochlohnländern, dagegen ein schrittweiser Anstieg in
den ehemaligen Armutsländern.
Es ist also kein Wunder, wenn die Schweiz sich
wohlstandsmäßig in den letzten zwei Jahrzehnten
deutlich von Deutschland abgesetzt hat (die Schweizer
Bürger hatten bekanntlich den EU-Beitritt abgelehnt,
obwohl führende Politiker und Wirtschaftsexperten
für diesen Fall den "Weltuntergang" und stark sinkende
Einkommen prognostiziert hatten (aber Politiker können
ja nicht immer recht behalten...).
Der
einzelne Staat hat in der Europäischen Union seine
Selbständigkeit weitgehend eingebüßt, er
muss nunmehr alle seine Gesetze nach den Brüsseler
Vorgaben ausrichten. Das bedeutet nicht nur eine
unermessliche zusätzliche Verordnungs- und
Regulierungswut (jährlich kommen an die 80.000 neue
Gesetzesseiten hinzu), es bedeutet auch die
Vernachlässigung von Eigeninteressen.
Die negative
Lohnentwicklung in
Deutschland
scheint mir das Resultat dieser beispiellosen
Appeasement-Politik (aber uns geschieht es ja nur recht,
"wir"
haben schließlich auch den 2. Weltkrieg
angefangen).
Nicht
nur durch die Verordnungswut der Brüsseler
Administration wird die deutsche Wirtschaft ausgebremst. Es
ist nun einmal so, dass ein großer ungleicher
Binnenmarkt einfach unkontrollierbar wird und zu
ständigen Verwerfungen führt.
Würden dort die Reallöhne trotz steigender
Produktivität sinken (wie seit 1980 in Deutschland),
würde sofort eine Gegenreaktion ausgelöst: Es
käme zum Warenüberangebot und die Preise
müssten nachgeben (die Kaufkraft und damit der
Lebensstandard würden also wie auch immer
zwangsläufig mit der Produktivität
wachsen).
Es
ist mir unverständlich, wie erwachsene Menschen,
womöglich noch Finanzexperten, sich jemals auf ein
derartiges Wagnis des Währungswechsels einlassen
konnten, zumal die alte DM international hohes Ansehen
genoss.
Eine gemeinsame Währung unter völlig ungleichen
Brüdern, unterschiedlichen Inflationsraten und
unterschiedlichen Steuergesetzen scheint mir auch heute noch
absolut irrational. Mir war weniger Bange, was die
Stabilität des neuen Euro betrifft. Aber mit dem
Verlust der eigenen Währung verliert ein Staat auch ein
unentbehrliches Steuerungsinstrument.
Volkswirtschaftliche Schwankungen werden nun einmal
über den Währungskurs und das Zinsniveau reguliert
- bei einer Eintopf-Einheits-Währung kann dieser
natürliche Mechanismus nicht mehr greifen.
(Näheres...)
Bürokratie
und Subventionen, wohin man schaut! Überall wird
getrickst und werden künstliche
Produktionsanreize geschaffen, welche die
natürlichen Kräfte der Marktwirtschaft erheblich
schwächen.
Ein souveränes Land mit angemessenen Zollgrenzen
könnte auf die teuren Subventionen völlig
verzichten, denn bei zu starker Dumpingkonkurrenz aus
dem Ausland würde der Exodus ganzer Branchen durch
ausgewogene Einfuhrzölle verhindert.
Der
aufgeblähte EU-Apparat verschlingt viel Geld, die
marktverzerrenden Subventionen ebenfalls. Hinzu kommen noch
die hohen Kosten für die verwaltungsmäßige
Umsetzung der Brüsseler Diktate.
Das ist doch eigentlich pervers, oder etwa nicht?
Die
EU erwartet von ihren Mitgliedstaaten ein freies Zuzugsrecht
ausländischer EU-Bürger. Aber wieder einmal wird
eine Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Wer will es leugnen: Es gibt nun einmal gravierende
Unterschiede beim Lebensstandard und den Sozialleistungen
der einzelnen Länder. Und dadurch kommt es zu recht
einseitigen Völkerwanderungen. Verständlich, wenn
es viele ungelernte Kräfte und angehende Rentner aus
dem armen Osteuropa ins reiche Westeuropa zieht.
In Länder, in der die einfacheren Tätigkeiten
wegen zu hoher Kosten im großen Stil bereits
wegrationalisiert oder ausgelagert wurden und deshalb
Geringqualifizierte kaum noch eine Chance haben.
(Näheres...)
Stehen also die EU-Gegner auf ewige Zeit auf verlorenem
Posten, gibt es keinerlei Chance, diese ungeliebte
Oberherrschaft jemals abzustreifen?
Es
gibt keine völkerrechtliche Verbindlichkeit, die ein
Land ewig zum Verbleib in der EU zwingen könnte. Die
Regierung eines Landes könnte also durchaus
beschließen, aus dem EU-Verbund wieder auszusteigen,
wobei lediglich bestimmte Fristen und Regeln eingehalten
werden müssten. Durch den neuen Lissabon-Vertrag wurde
das Ausstiegsprozedere genau geregelt (ein Lichtblick
immerhin).
Es
wäre auch kein unüberwindbares Problem, den Euro
wieder abzuschaffen und sich seiner eigenen Währung zu
besinnen.
Manche Wirtschaftsexperten bestreiten diese Möglichkeit
der Rückwandelung. Sie meinen, der Schritt wäre
viel zu riskant und käme zu teuer. Dabei ist der
Vorgang kein anderer als die Umstellung von der DM zum Euro
Anfang 2002. Damals war das Risiko ungleich
größer, denn inzwischen hat man schließlich
Erfahrung auf dem Gebiet.
Leider
kenne ich keine Partei, die sich diesbezüglich nicht
selbst ein Schweigegelübte auferlegt zu haben scheint.
Zumindest kenne ich keine etablierte Partei, die sich hier
offen und liberal gibt. Die Programme rechtsradikaler
Parteien kenne ich nicht und wären für mich auch
keine Alternative. Meines Erachtens schaden diese Parteien
der Sache nur, weil deren Image zu stark negativ belastet
ist und eine ernsthafte sachliche Debatte von der rechten
Basis aus sich kaum bundesweit ausbreiten
könnte.
Auch wenn die Regierungen nicht den Mut aufbringen, einen
EU-Austritt zu erwägen oder zu diskutieren, auch wenn
dem Volk weiterhin eigene
Entscheidungen (Plebiszite)
verwehrt
bleiben, so gehe ich doch davon aus, dass der EU-Spuk
sich eines Tages von selbst erledigt.
Wenn erst einmal die Bevölkerung eines Landes spitz
bekommt, dass sie ohne EU viel besser dran wäre, kann
ein Stein ins Rollen kommen, der sich sehr schnell zu einer
großen Bewegung ausweitet. Es gibt innerhalb der EU
einfach zu viele Widersprüche und zu starke
Interessenkonflikte.
Abschaffung
des Euro - Wiedereinführung der
DM
Ist die Abschaffung oder der Zusammenbruch des Euro noch zu
verhindern?
Müssen
die Hartz-IV-Regelsätze erneut angehoben werden. Ist
das alles überhaupt noch finanzierbar? Oder geht es
Hartz-IV-Familien teilweise schon besser als
Normalverdienern?
Profitieren wir wirklich vom Export? Geht es uns merklich
besser, seitdem wir uns dem Export verschrieben haben und
die meisten Konsumgüter importieren
müssen?
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die
Globalisierung".