Der
Einfluss der Globalisierung auf die Politik Selten
war die Antwort auf eine komplexe Frage so einfach und die
Beweislage derart eindeutig: Der politische
Gestaltungsspielraum in der angeblich "freien" Welt ist auf
ein Minimum zusammengeschrumpft. Es scheint, als ob sich die
Politik allenthalben auf die Mangelverwaltung
zurückgezogen hat und hauptsächlich damit
beschäftigt ist, die gröbsten Haushaltslöcher
zu stopfen und die Staatsverschuldung nicht ins Uferlose
steigen zu lassen. Im
Mittelpunkt aller Überlegungen steht heute der globale
wirtschaftliche Wettbewerb: "Wie weit muss man den Konzernen
und größeren Betrieben entgegenkommen, damit sie
nicht noch mehr Arbeitsplätze ins Ausland verschieben.
Wie weit muss man die Unternehmenssteuern herunterschrauben,
um mit anderen Steuerdumpingländern mithalten zu
können? Welche Investitionszuschüsse sind
notwendig, um ein Ausgleich für die Lohnunterschiede zu
schaffen oder mit welchen Zusatzleistungen
(maßgeschneiderte Infrastruktur, Forschungs- und
Bildungspolitik) können Firmen zumindest für die
nächsten Jahre besänftigt und im Land gehalten
werden?" Nahezu
alle politischen Entscheidungen stehen heute unter dem
Diktat des Kapitals. Das hat dazu geführt, dass die
Reallöhne und Renten seit 1980 selbst im
"Exportwunderland" Deutschland um mindestens 15 % abgesunken
sind (Näheres),
während die Kapitalrenditen prächtig
gediehen. Wir
erleben seit drei Jahrzehnten einen steten
Wohlstandsverlust, obwohl Produktivität und Wirtschaft
unaufhaltsam wachsen. Ich kenne keinen Politiker, dem
diese zynischen Zustände schlaflose Nächte
bereiten bzw. der die Widersprüche im System offen
anspricht und diskutiert. Die
Politik, so scheint es jedenfalls, ist seit drei Jahrzehnten
nur noch damit beschäftigt, das Alltagsgeschäft
abzuwickeln und sich Notlösungen auszuhecken. Anstatt
darüber nachzudenken, welche Ursachen dieser seltsame
Niedergang haben könnte, wird eifrig an der
Kostenschraube gedreht. Mehr Druck auf die Arbeitslosen -
statt neue Arbeitsplätze zu schaffen. Mehr Druck auf
die Löhne, um sich dem "internationalen Standard"
anzunähern - Rentenkürzungen, Praxisgebühren
usw. Alles
dreht sich um eine Mangelverwaltung und aufgeheizte
Diskussionen über weitere Umverteilungen beherrschen
die öffentliche Meinungsbildung. Soll man
Minilöhne noch weiter bezuschussen (mit dem Geld der
Besserverdiener), soll man die Pendlerpauschale
erhöhen (mit dem Geld der Allgemeinheit), soll
noch
mehr Geld in die Bildung
gesteckt werden (wir wollen doch so gerne die Ideenschmiede
der Welt sein, wir sind doch schließlich die
"Herrenmenschen").
All diese im Grunde genommen lächerlichen und sinnlosen
Auseinandersetzungen bestimmen den Medienalltag. Diese
Scheindebatten gibt es nur, weil man sich um das
Hauptübel ständig herumdrückt. Und das
Hauptübel ist nun einmal - man kann es drehen und
wenden wie man will - der
globale Dumpingwettbewerb.
Würde es diesen zerstörerischen weltweiten
Unterbietungskampf nicht geben, wären alle heutigen
politischen Dispute weitgehend gegenstandslos. Denn ein
intakter
Binnenmarkt
lässt die unsoziale Schieflage, wie wir sie seit dem
Beginn des Zollabbaus vor ca. 30 Jahren erfahren
müssen, gar nicht zu. In
einem intakten Binnenmarkt haben die Faktoren
Kapital
und Arbeit die gleichen
Marktkräfte,
also die gleiche Macht. In einem intakten Binnenmarkt
existiert ein fortwährender Interessenausgleich
zwischen dem Kapital und der Arbeit - es gilt immer das
Prinzip von Angebot und Nachfrage. Die
Globalisierung degradiert unsere Politiker zu Statisten Fehlt
nur der Mut, fehlt es an Einsicht oder ist gar Korruption im
Spiel? Immerhin
zeigen sich in einigen westlichen Ländern erste
Abnabelungsbestrebungen - es gibt bereits Politiker, welche
die Nachteile
der Globalisierung
zunehmend erkennen und protektionistische
Gegenmaßnahmen ergreifen. Denn immer mehr
Volksvertretern dämmert es inzwischen, dass mit einer
Wiederbelebung der Importzölle das Erpressungspotential
der Global Player rapide abnimmt. Die
politische Ohnmacht könnte also durchaus aus eigener
Kraft überwunden werden. Weiterführender
Artikel: Wie
erklärt sich das kollektive Versagen der
Ökonomen? Home
(Eingangsseite
www.globalisierung-welthandel.de) ©
Manfred J. Müller, Flensburg
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Deutschland
und die Globalisierung,
Globalisierung
und Wirtschaft,
Folgen
der Globalisierung.

Eingangsportal
des Reichstagsgebäudes in Berlin
von
Manfred Julius Müller
Welchen
Einfluss hat die Globalisierung auf die Politik? Können
die Regierungen der westlichen Welt die Anliegen ihrer
Bürger noch weitgehend souverän vertreten oder
sind sie schon längst zu Erfüllungsgehilfen des
globalen Kapitals geworden?
Würde beispielsweise in einem intakten Binnenmarkt
Produktivität und Kapitalrenditen ungleich stärker
steigen als die Kaufkraft der Bevölkerung, würde
dies zum Warenüberangebot und damit zum Preisverfall
führen - alles würde sich also binnen weniger
Monate ganz von allein einpendeln.
In
allen westlichen Industrieländern haben die frei
gewählten Regierungen keinen echten
Gestaltungsspielraum mehr, sie sind im Grund genommen nur
noch Sachverwalter und Schadensbegrenzer!
Dabei könnten sie sich sehr wohl aus dieser selbst bzw.
von ihren Vorgängern verschuldeten Umklammerung
befreien - sie bräuchten nur vom Irrsinn des totalen
Freihandels ablassen und sich wieder an den segensreichen
Nutzen regulierender Zölle erinnern - die über
Jahrtausende bestens funktioniert haben und die ungleichen
weltweiten Standort- und Wettbewerbsbedingungen auf ein
erträgliches Maß reduziert haben
(Näheres).
Wie
kann es sein, dass intelligente Staatsmänner sich
dermaßen vom Kapital vorführen lassen? Fehlt es
womöglich nur am Mut und an der Kraft, sich gegen einer
vom
Kapital gesteuerten öffentlichen
Meinung
aufzulehnen und die falsche Freihandels-Wohlstandsthese
mutig anzuprangern?
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Inzwischen sind
auch einige Bücher erschienen, u.a.
"Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das
neue Wirtschaftswunder", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.