Das 25jährige Mega-Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft kommt beim Durchschnittsverdiener kaum an: Der Wohlstand und die Löhne wachsen viel zu langsam.

 

 

Aus der Reihe "Die hohlen Versprechen der Globalisierungs-Profiteure" (Text von Manfred Julius Müller):

 

"Die Globalisierung erschließt riesige Absatzmärkte!"

Die Kapitallobby stützt ihre einseitige Begeisterung für die Globalisierung immer wieder auf zwei Hauptargumente:

Das erste lautet: "Deutschland profitiert als Exportweltmeister am meisten von der Globalisierung". Diesen Unsinn habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich entkräftet (siehe Exportweltmeister).

Als zweites "Beweismittel" für die vermeintlichen Vorteile der Globalisierung wird immer wieder mit Nachdruck auf die Entwicklung gigantischer asiatischer Absatzmärkte verwiesen. Aber auch diese Aussage entpuppt sich bei näherer Betrachtung als absolut irreführend und dummdreist. Ich möchte dies näher erläutern.

 

1. Die westlichen Produkte sind in der Regel für die asiatischen Arbeitssklaven viel zu teuer!
Sowohl der indische wie auch der chinesische Durchschnittsverdiener kommt bei einer 60-Stunden-Arbeitswoche kaum über einen Verdienst von 100 Euro hinaus. Dieses Geld langt in der Regel gerade zum Lebensunterhalt - an den Kauf von teuren importierten Konsumartikeln ist bei diesem Hungerlöhnen gar nicht zu denken.

2. China kann nahezu alles zu einem Bruchteil des Preises herstellen
Die Produktionskosten sind in China um ein Vielfaches niedriger als hier, auch wenn die Automatisierung teilweise noch nicht so weit fortgeschritten ist. Warum sollte ein Chinese für ein fremdländisches Produkt einen aus seiner Sicht völlig überzogenen Preis zahlen, selbst wenn er das Geld dazu hätte?
Selbst für die besser bezahlten Ingenieure sind echte deutsche Produkte viel zu teuer. Allein die neuen Millionäre können sich die teuren ausländischen Statussymbole leisten - aber dieser Markt ist natürlich recht klein und für die meisten Firmen unbedeutend.

3. Chinas Produkte werden immer besser
Die Chinesen lernen schnell und gut. Sie schauen sich genau an, was der Weltmarkt zu bieten hat und orientieren sich an den renommiertesten Markenherstellern. Deshalb wird die Qualität ihrer Produkte immer besser. Jährlich verlassen Millionen engagierte und gut ausgebildete Ingenieure, Forscher, Wissenschaftler, Betriebswirte, Manager usw. die Universitäten, um chinesische Produkte noch erfolgreicher zu machen.

Wie kann man ernsthaft annehmen, bei einem ständig sinkenden Qualitätsvorsprung irgendwann einmal Chinas Durchschnittsverdiener für westliche Produkte begeistern zu können, wo doch die eklatanten Preisunterschiede sich kaum ändern.

4. Die asiatischen Lohnkosten stagnieren - entgegen aller Prophezeiungen
Die westlichen Arbeitnehmer versucht man seit 15 Jahren zu beruhigen, indem man ein rasches Ansteigen des asiatischen Lohnniveaus prognostiziert. Man will uns also einreden, dass einerseits die Kaufkraft der Inder und Chinesen rasch ansteigt (so dass sie sich bald auch westliche Produkte leisten können) und sich andererseits die dortigen Lohnkostenvorteile Jahr für Jahr verringern.

Verschwiegen wird: Das Arbeitskräftepotential in Asien ist bislang nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft. Solange noch Hunderte von Millionen Inder, Chinesen, Vietnamesen usw. auf Jobsuche sind, kann ein fairer Interessenausgleich zwischen Arbeit und Kapital gar nicht stattfinden. Erst bei einer Verknappung des Arbeitskräfteangebots wäre mit einem deutlichem Ansteigen der Löhne zu rechnen. Aber selbst wenn das rasante Wirtschaftswachstum in den beiden bevölkerungsreichsten Staaten nicht nachlässt, wird das Überangebot an Arbeitskräften auch in 30 Jahren noch längst nicht beseitigt sein.

Außerdem: In China kann schon wegen der fehlenden freien Gewerkschaften der normale Lohnanpassungsprozess nicht stattfinden. Man sieht es doch, was sich in den letzten 15 Jahren abgespielt hat: Obwohl sich Chinas Produktivität vervielfacht hat, haben sich die Löhne der Wander- und Fabrikarbeiter nur wenig verändert. Lediglich die chinesischen Spitzenkräfte (Manager, Wissenschaftler, Ingenieure) verdienen deutlich mehr als früher.

Fazit: Wegen seinem riesigem Reservoir an Arbeitskräften und seiner Diktatur ist China mit anderen aufstrebenden Nationen wie z. B. Südkorea nicht zu vergleichen. In Südkorea konnten die Löhne schnell anziehen und somit wuchs dort auch ein für ausländische Anbieter interessanter Absatzmarkt. In China aber läuft das alles anders.

 5. Die Dumpingwährungen wirken wie ein gigantischer Einfuhrzoll
Die tatsächliche Kaufkraft in China ist etwa viermal höher, als es das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen vermuten ließe. Das bedeutet: Die chinesische Währung ist dermaßen unterbewertet, dass schon deshalb Importe im Konsumbereich nahezu vollständig abgeblockt werden. Die chinesische Dumpingwährung hat dieselbe Wirkung wie ein Einfuhrzoll in Höhe von 300 %.
Wenn das Währungsdumping noch nicht zur Abwehr der Konsumimporte langt, wird mit einem deftigen Zoll noch draufgesattelt (bei Pkws z. B. 25 %).

6. Auch auf die westlichen Maschinen wird China eines Tages verzichten können
Noch hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau einen guten Ruf und vor allem einen Technologievorsprung. Aber die Chinesen sind nicht blöd und können zudem strategisch denken. Sie bestellen Maschinen für die Produktion, aber auch in der Absicht, sie eines Tages nachbauen zu können. Dabei kommt ihnen zugute, dass Technologieklau in China kein besonders scharf verfolgtes Vergehen ist.

Aber schon bald werden die Chinesen das westliche Know-how gar nicht mehr brauchen. Ihre aufstrebenden Forschungsabteilungen werden die westlichen Maschinen weiterentwickeln und China wird zur Ideen- und Patentschmiede der Welt werden (diese Rolle hatten überhebliche Politiker eigentlich Deutschland zugedacht).
Nach Sättigung des einheimischen Marktes wird man eines nicht mehr fernen Tages auch den Weltmarkt mit konkurrenzlos günstigen Maschinen und Produktionsanlagen versorgen können (solange es dem Regime dienlich scheint). Für die Zukunft ist also selbst der Sektor, in dem man heute noch Exporterfolge feiert, weitgehend verloren.

7. Wenn es in China in einigen Jahrzehnten Löhne auf westlichem Niveau geben sollte, wird von den westlichen Industrien kaum mehr etwas übrig sein.
Wenn man so große Hoffnungen auf den indisch-chinesischen Konsummarkt setzt, dann sollte man sich doch einmal vorher überlegen, welche Produktionsbereiche es in 20 oder 30 Jahren in Deutschland (und anderen Hochlohnländern) überhaupt noch geben wird.

Schon heute werden in Deutschland kaum mehr Textilien, Schuhe, Computer, Handys, Kameras usw. hergestellt. Die Produktion von Haushaltswaren schrumpft ebenfalls von Jahr zu Jahr, in anderen Branchen sieht es kaum besser aus. Was meint man, den kaufkräftigen Chinesen in 20 Jahren bieten zu können? Flugzeuge, Autos? Den Flugzeugbau können wir schon heute nur mit hohen Subventionen im Lande halten. Und die Autoindustrie ist in China auch längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Die meisten Industrien sind in Deutschland bereits ausgestorben...

 

Der Westen muss aufwachen!

Chinas Führung verhält sich ausgesprochen clever, was man von den westlichen Regierungen leider nicht behaupten kann. Im Westen scheinen immer noch die Konzerne und das Großkapital das Sagen zu haben.
Aber wenn der Westen nicht untergehen will, muss er handeln und die unselige Globalisierungspolitik beenden. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Gobal Player ihr
einträgliches System der weltweiten Ausbeutung von Arbeitskräften dann nicht mehr so effizient wie heute betreiben können.

Keine falsche Scham vor protektionistischen Maßnahmen!
Vor allem China hat sich in den letzten 25 Jahren prächtig entwickelt, hauptsächlich aufgrund seiner zahlreichen protektionistischen Maßnahmen (z. B. Währungsdumping). Der Westen darf diesen Tatbestand nicht länger ignorieren und so tun, als lebten wir alle in einer heilen und vollkommenen Welt.

Die Hochlohnländer müssen endlich Gegenmaßnahmen ergreifen und ihrerseits Mehrwertsteuern, Zölle oder ähnliches anheben. Dies muss natürlich behutsam und schrittweise erfolgen, damit kein Chaos entsteht und die asiatischen Wirtschaftswunderstaaten Zeit haben, ihre Absatzmärkte neu auszurichten. Weltweit muss man lernen, mehr für die eigene Bevölkerung und weniger für den Export zu produzieren.

Zerstörte Branchen lassen sich kaum regenerieren.
Man sollte sich endlich eingestehen, dass Branchen, wenn sie im eigenen Land erst einmal ausgerottet wurden, nur sehr mühsam wiederbelebt werden können. Das erforderliche Know-how ist in abgestorbenen Branchen einfach nicht mehr vorhanden - es kann nicht auf Knopfdruck wieder hervorgezaubert werden, falls sich die Lohndifferenz zu anderen Ländern einmal verringern sollte.

 

 

 

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Der gut geschmierte, kapitalistisch geprägte Propagandaapparat versucht mit allen Mitteln, vom Natürlichem und Naheliegendem abzulenken und den gesunden Menschenverstand auszuschalten. Das Ziel ist, vom Irrweg des totalen Freihandels abzulenken und andere Gründe für den deutschen Niedergang vorzuschieben (Bildung, Bürokratie, Demografie, Kündigungsschutz usw.).

Wenn Sie sich ausführlich und wertneutral über die Zusammenhänge in der Weltwirtschaft informieren möchten, wenn Sie wissen möchten, wie auch Deutschland das Blatt wieder wenden kann, dann lesen bitte Sie das Buch "DAS KAPITAL und die Globalisierung".
Dieses Buch kennt kein Pardon und keine falschen Rücksichtnahmen auf Lobbygruppen. Schonungslos werden die gravierendsten Missstände bloßgelegt - vor allem aber werden überzeugende Problemlösungen aufgezeigt.

 

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© Manfred J. Müller, Flensburg

 


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Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".